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Grundgedanken

In den vergangenen zehn Jahren ist Geowissenschaftlern verstärkt die Präsenz der Naturwerksteine im Stadtbild bewusst geworden. In mehr Orten, als man ohne Weiteres wahrnimmt, sind Bestandsaufnahmen gemacht worden. In vielen Orten werden inzwischen thematische Führungen angeboten oder sind gedruckte Führer erschienen. Auch temporäre Ausstellungen hat es gegeben. Vielerorten ist mit Steinen als solchen in ihren Variationen bewusst künstlerisch gestaltet worden, z.B. in der Stadthalle Limbach-Oberfrohna mit dem Chemnitzer Porphyr.

Das alles ist nichts prinzipiell Neues: Man erinnere sich an Burre, der schon 1926 die Steine in der Berliner Architektur darstellte, oder an die Weimarer Schule von Seidel oder die Arbeiten von Geldhauser/Grimm/Hugues (1962 - 1992) in München, die Arbeiten von Priese in Leipzig, von Beeger in Dresden, die von Fürst in und um Bamberg und viele andere in verschiedenen Städten. Natürlich gab und gibt es solche Aktivitäten auch jenseits unserer Grenzen, ob nun in Wien, in St. Petersburg, in Fribourg (Schweiz), in London, Washington D.C. oder Albuquerque NM, U.S.A. - um nur ganz wenige Beispiele zu nennen. In der Vergangenheit waren häufig geowissenschaftliche Tagungen/Kongresse Auslöser für derartige Zusammenstellungen. Ein weiteres motivierendes Element war und ist die Denkmalpflege, in deren Verlauf entsprechende Spezialinformationen gefragt sind; dabei beschränkt sich die Fragestellung jedoch meist auf das eine oder andere bestimmte Gebäude.

Mittlerweile - örtlich auch durch das Jahr der Geowissenschaften 2002 verstärkt - ist dieses Thema als Element geowissenschaftlicher Ausbildung und Öffentlichkeitsarbeit entdeckt und aktiviert worden. Nicht nur Geowissenschaftler, Architekten und Steinmetze interessieren sich dafür, sondern eine breite Öffentlichkeit. Und das Interesse nimmt stetig zu. In nicht wenigen Orten werden Führungen zu den Naturwerksteinen sogar in das offizielle touristische Programm der Stadt eingebunden. Nicht zu unterschätzende Nebenprodukte dieser Arbeit sind die fachlichen Querverbindungen von Geowissenschaftlern zu Architekten, Steinmetzen, Restauratoren, Baugeschichtlern und Denkmalpflegern oder auch zu Künstlern: Sie alle schauen den gleichen Stein ja mit anderen Augen und anderen Absichten bzw. Erfordernissen an. Für sie alle bieten die Bestandsaufnahme und die ableitbare Information über die Eigenschaften des Gesteins wichtige Voraussetzungen für ihr Tun.

Aufgabenstellung

Es besteht Bedarf für Information über vergleichbare Bestandsaufnahmen bzw. Führer: Jemand der einmal in einer Stadt begeistert wurde, schaut sich auch anderswo um und möchte es wissen: Wo wurde welcher Stein genutzt? Wo kommt er her? Wie alt ist er? etc. Insofern ist es plausibel, ein Netzwerk zu entwickeln, durch das Information vermittelt wird. Eine weitere Begründung liegt jedoch auch in der mühevollen Gewinnung und Gestaltung der Information: Erfahrungsgemäß wird diese Information häufig von passionierten Einzelkämpfern gesammelt, oft genug ohne oder mit relativ geringer institutioneller Unterstützung. Bei der Gestaltung steht der mit Kenntnis beladene Geo-Mensch oft ziemlich alleine da, und deshalb bleiben viele dieser Informationen in irgendwelchen Schubladen liegen oder werden unter günstigen Umständen irgendwann in Form von Skripten oder Diplomarbeiten zusammengefasst; allzu selten werden sie allgemein zugänglich und bleiben somit erhalten.


Ziele des Netzwerkes

Ziele des Netzwerkes sind

  • das Mitteilen und Austauschen von Information, zweckmäßigerweise durch Internet und E-mail
  • wechselseitige Anregung und Unterstützung bei Informationssammlung, -bewältigung und -auswertung, Modelle für und Unterstützung bei Gestaltung und Präsentation
  • Mehrfachnutzung von Darstellungen allgemeiner Art sowohl für eigene Zweck wie möglicherweise als Lehrmaterial in Schulen
  • Gemeinsame Erstellung von Sonderausstellungen allgemein zum Thema Naturwerkstein oder zu speziellen Naturwerkstein-Themen, Bildung thematischer oder regionaler Arbeitsgruppen
  • Bundesweite Darstellung in einem Exkursionsführer "Steine in deutschen Städten".

Entwicklung des Netzwerkes

1. 1. Am Anfang stand die Erhebung des Interesses an so einem Netzwerk. Die Erhebung ist durch Rundschreiben, Veröffentlichungen und Berichte sowie Tagungsvorträge erfolgt. Bisher haben sich über 130 Interessierte gemeldet, Tendenz steigend. Die Liste ist unter Teilnehmer Liste auf dieser WEB-Site zu finden; ein Formular für die Anmeldung zur Teilnahme ist auf diesem web-site zu haben.

2. Arbeitstagungen: Die Arbeitstagungen dienen netzwerk-intern der wechselseitigen Information, Anregung und Unterstützung. Dabei hat sich im Laufe der ersten vier Tagungen ein Muster herausgebildet: Der Schwerpunkt liegt auf Gesteinen in Geschichte und Architektur der gastgebenden Stadt. In mehreren Vorträgen wird über den Natuwerksteinbestand informiert, mehrere Exkursionen bieten die Anschauung in der Stadt selbst inklusive Friedhöfen, ggf. auch in Sammlungen. Hinzu kommen Vorträge über Bestand und Aktivitäten in anderen Städten und über methodische Ansätze. In Podiumsdiskussionen werden die Aktivitäten des Netzwerkes angesprochen.

3. Die Bibliografie existierender Führer - gleich ob Buch, Diplomarbeit, "graue" Literatur, Datensammlung, Faltblatt oder in anderer Form - ist sicherlich für alle Beteiligen hilfreich. Im Vordergrund steht Information für Deutschland nach Bundesländern und Städten geordnet; zum Vergleich sollen auch ausländische Führer bibliografisch nach Kontinenten und Ländern geordnet erfasst werden. Sinnvoll ist so etwas nur, wenn die Zitate wirklich vollständig sind (mit Jahresangabe, Seitenzahlen, ggf. Verlag, Produzent, "Ersteller" ggf. auch Bezugsmöglichkeit etc. Ein Anfang ist gemacht und auf dieser WEB-Site unter "Bibliografie" zu finden. Beiträge können jederzeit geliefert werden (Adresse s. u.; Information dazu siehe "Bibliografie" Vorbemerkung); sie werden möglichst zeitnah eingearbeitet. Die Bibliografie ist frei zugänglich und steht jedermann zur Verfügung.

4. Führer zu Natursteinen in deutschen Städten: Bereits auf der ersten Tagung wurde die Erarbeitung eines solchen Führers diskutiert. Zahlreiche Kollegen erklärten ihre Bereitschaft zum Beitrag einer Naturwerkstein-Exkursion in ihrer Stadt. Mit der Herausgabe wurde J. H. Schroeder betraut. Natürlich erfordert so ein Führer ein hohes Maß an Einheitlichkeit in Format und Art der Darstellung unter den Einzel-Beiträgen; diese ist nur zu erreichen durch ein ungewöhnlich intensive dialogische Zusammenarbeit zwisch Autoren und Herausgeber.

Ende Oktober 2009 ist der Führer "Steine in deutschen Städten" im Selbstverlag der "Geowissenschaftler von Berlin und Brandenburg" endlich erschienen. Mit seinen 31 Autoren, mit 288 Seiten und 405 Farbaufnahmen, 18 Routenkarten und 41 Grafiken und 27 Tabellen bietetet er kompakt vielfältige Informationen. Mit einem Preis von € 15,00 ist ein attraktives Preis/Leistungs-Verhältnis erreicht worden.

In Fortsetzung dieser Arbeit ist ein zweiter Band im November 2013 erschienen; er enthält Beiträge = Naturwerkstein-Routen für/in 14 Städte/n, die wieder über die ganze Bundesrepublik verteilt sind. (S. Bibliografie, Neuerscheinungen)

5. Im Netzwerk ist der Vorschlag für einen "Tag der Steine in der Stadt" entwickelt worden. Im Gegensatz zu den internen Arbeistagungen kommt es hier auf die Ausstrahlung nach außen, auf Öffentlichkeitsarbeit an. An diesem Tag soll Laien Gelegenheit gegeben werdeh, sich über Naturwerksteine zu informieren und sie unter fachlicher Anleitung zu erleben.

6. In der Diskussion um weitere künftige Aktivitäten des Netzwerkes wurden speziellere thematische oder regionale Arbeitstreffen (im Sinne von "workshops") oder auch gemeinsame Exkursionen durchaus für sinvoll gehalten. Hier sollten Ideen und Einladungen von den Netzwerk-Teilnehmern kommen, die dann weitergeleitet und - wo gewünscht oder notwendig - terminlich koordiniert werden.

Perspektiven

Nach wie vor sind Aktive/Erfahrungsträger/vital Interessierte als Netzwerk-Teilnehmer willkommen! Man benutze das entsprechende Formular!

Beiträge zur Bibliografie sind stets willkommen! Haben Sie bitte Verständnis dafür, dass dabei nach unmittelbarem thematischem Bezug ausgewählt wird.

Wenn nicht längst erfolgt - machen Sie mal eine Bestandsaufnahme hinsichtlich der Steine in Ihrer Stadt und der Befunde darüber bzw. ergänzen beide. Beteiligen sich an dem "Tag der Steine in der Stadt" (s. "Tag der Steine")

Vorschläge und Anregungen für den Umgang mit dem Thema und für das Netzwerk sind immer willkommen!


Arbeitsweise

Wie für jedermann offensichtlich, ist der Naturwerkstein ein Objekt multi-disziplinären Interesses: Es gibt ja in diesem Bereich eine ganze Reihe von Arbeitsgruppen von der Lagerstättenkunde mit Vorratsberechnung bis hin zu Restaurierung. Um effektiv zu sein, muss man die Arbeit thematisch klar umgrenzen und Schwerpunkte setzen. Der hier zu Beginn der Arbeit vorgeschlagene Schwerpunkt"Bestandsaufnahme und Öffentlichkeitsarbeit" hat enge und spannende Beziehung zu Stadt- und Baugeschichte, zur Denkmalpflege, zur Restaurierung, zur Lagerstättenforschung mit regionaler Geologie, zum Natursteinhandel und zur Material- und Qualitätsprüfung; der vorgeschlagene Schwerpunkt erscheint aber als solcher klar definiert. Man wird Informationen von den genannten Bereichen für eine Bestandsaufnahme heranziehen müssen/wollen - der Zweck ist aber zunächst die möglichst breite Darstellung der jetzt sichtbaren Gesteinsverwendung einer Stadt in Raum und zeitlicher Entwicklung.

Regional wurde die Arbeit bewußt auf Deutschland begrenzt, schlicht und einfach, weil es dort genug zu tun gibt, aber auch weil wir auf deutsch am Einfachsten deutschlandweit kommunizieren können. (Allerdings haben in den vergangenen Jahren einige Teilnehmer aus dem deutschsprachigen Ausland bzw mit Deutsch-Kenntnissen unsere Arbeit begleitet und bereichert). Selbstverständlich gibt es wunderbare Beispiele/Ziele jenseits von Deutschlands Grenzen, die man - vielleicht auf Exkursionen - erschließen kann.

Organisatorisch sollte und ist auch tatsächlich keine Gesellschaft, kein Verein oder dergleichen, sondern etwas möglichst Unkompliziertes und Informelles entstanden, irgendwo zwischen Arbeitskreis und Adressenliste mit Raum für vielfältige spezifische Initiativen und Aktivitäten. Die Form dieses lockeren Verbundes wurde auf den Arbeitstagungen 9immer wieder begrüßt und hat sich in den nunmehr über 9 Jahren gemeinsamer Arbeit und gegenseitigen Austausches durchaus bewährt.